Abschussbestätigung von Sherman-Panzern Niedersachsen 1945
Im April 1945 war der Krieg längst verloren. Dennoch wurde weitergekämpft. Viele der erfahrenen Soldaten waren gefallen, verwundet oder nach Jahren des Krieges am Ende ihrer Kräfte. An ihre Stelle traten nun immer häufiger sehr junge Soldaten ohne Ausbildung oder Erfahrung, ältere oder verwundete Männer, und mit Glück halfen noch kümmerliche Reste zerschlagener Einheiten aus. Darunter waren auch HJ-Jungen, oft noch keine achtzehn Jahre alt. Sie gerieten in einen Kampf, dessen Ausgang längst entschieden war. Es wurde sinnlos weiter verstümmelt, getötet und gestorben. Ganze Landstriche und Städte wurden in den letzten Kriegstagen noch vernichtet.
Die Propaganda lief weiter. Man sprach von Wunderwaffen und von Entsatz durch Armeen, die angeblich noch kommen würden, in Wirklichkeit aber längst nicht mehr existierten. Zugleich galt der Befehl, auszuhalten und bis zum letzten Mann zu kämpfen. So wurde weitergekämpft, obwohl längst alles verloren war.
Historischer Hintergrund und der Einsatzraum
Die Panzerjäger-Abteilung 33 war Teil der 15. Panzergrenadier-Division. Im April 1945 befand sich diese Division in schweren Rückzugskämpfen gegen britische und kanadische Truppen in Nordwestdeutschland.
Der Einsatzort Elsdorf (Niedersachsen, bei Zeven) war am 21. April 1945 Schauplatz heftiger Gefechte.
Die 15. PGD versuchte hier, den Vormarsch der britischen Truppen, insbesondere der 7th Armoured Division („Desert Rats“), in Richtung Bremen und Hamburg zu verzögern.
Auf dem uns vorliegenden Dokument können wir folgende Ereingnisse ableiten:
1. Abschuss:
Der im Dokument verzeichnete Abschuss vom 21.04.1945 eines Sherman-Panzers am Westrand von Elsdorf deckt sich mit britischen Gefechtsberichten über
Panzerverluste durch deutsche Hinterhalte beim Eintritt in die Ortschaft und den Versuchen, die dortigen Straßenkreuzungen unter Kontrolle zu bringen.
2. Abschuss:
25. April 1945 bei Hesedorf (nahe Bremervörde) dokumentiert die weitere Rückzugsbewegung der Einheit nach Nordosten. Der Bahnhof Hesedorf bildete einen lokalen taktischen Fixpunkt zur Deckung der Oste-Linie. In diesem Zeitraum operierte die Division im Raum Bremervörde, um die Elbe-Linie so lange wie möglich offen zu halten und den britischen Vormarsch der 11th Armoured Division zu bremsen.
Technische und personelle Daten
- Einheit: 3./Panzerjägerabteilung 33 (15. Panzergrenadier-Division)
- Waffensystem: Panzerjäger IV (L/70), erkennbar an der Notiz in der Spalte für die Waffe sowie der taktischen Kennnummer 314 (3. Kompanie, 1. Zug, 4. Fahrzeug)
- Abschuss 1: 21.04.1945, 1 Sherman-Panzer am Westrand von Elsdorf; Schütze/Funker: Ogefr. Brenner; Zeuge: Obltn. Wiener (3./Pz.Jg.33)
- Abschuss 2: 25.04.1945, 1 Sherman-Panzer am Bahnhof Hesedorf; Schütze: wie oben; Zeuge: Obltn. Heich (8./104)
- Unterschriften: Brenner (Oberleutnant und Kompaniechef) sowie Gressung (Hauptmann und stellv. Abteilung-Führer), Bestätigung vom 23. und 29.04.1945
Die Erwähnung des Panzerjägers IV mit der langen 7,5-cm-Pak 42 L/70 ist besonders interessant für die materielle Ausstattung der 3. Kompanie.
Während die ersten beiden Kompanien oft mit Sturmgeschützen oder gezogenen Pak ausgerüstet waren, verfügte die 3. Kompanie der Pz.Jg.Abt. 33 über diese leistungsstarken Jagdpanzer.
Das zweite Dokument ist ein Besitzzeugnis über das Panzerkampfabzeichen in Silber. Es wurde am 22. Mai 1945 am Abteilungsgefechtsstand ausgestellt und an Gefreiten Joachim Grafe von der 3./Panzerjäger-Abteilung 33 vergeben. Unterzeichnet ist die Urkunde von Hauptmann Gressung als Abteilungsführer; zudem trägt sie den Briefstempel der Panzerjäger-Abteilung 33.
Bemerkenswert sind dabei sowohl die Art der Auszeichnung als auch das Ausstellungsdatum. Die Verleihung des Panzerkampfabzeichens in Silber an einen Angehörigen der Panzerjäger-Abteilung 33 wirkt zunächst ungewöhnlich. Mit Blick auf den Einsatz von Jagdpanzern IV L/70 in der 3. Kompanie ist sie jedoch nachvollziehbar.
Auffällig ist außerdem das Datum der Ausstellung. Die Urkunde wurde erst zwei Wochen nach der Kapitulation ausgefertigt. Darin zeigt sich, wie schwer sich Teile der militärischen Strukturen damit taten, die Niederlage und den längst sinnlos gewordenen Krieg überhaupt anzuerkennen. Begünstigt wurde dies auch dadurch, dass die Briten den deutschen Kriegsgefangenen in den ihnen zugewiesenen Bereichen zunächst erstaunlich große Freiheiten ließen. Verwaltungsaufgaben, innere Ordnung und Teile der Befehlsgewalt wurden vielfach weiterhin deutschen Offizieren überlassen.
Das hatte zur Folge, dass fanatische und unbelehrbare Offiziere selbst nach Kriegsende noch Militärgerichte abhielten, die nicht selten mit Todesurteilen endeten, ohne dass dies von britischer Seite konsequent unterbunden wurde. Zugleich bot das Weiterführen alter Strukturen nicht selten die Möglichkeit, sich noch Auszeichnungen zu verleihen und Beförderungen durchzusetzen, deren Verleihung beziehungsweise Durchführung nicht rechtens war. Ebenso eröffnete es gesuchten Kriegsverbrechern die Möglichkeit, in der Masse der Gefangenen unterzutauchen und sich dem unmittelbaren Zugriff zu entziehen, nicht selten mithilfe neu ausgestellter beziehungsweise gefälschter Personalpapiere.
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Autor und Quellen
Autor:
Thomas Huss – Sammler und Händler für militärhistorische Objekte
Dieser Beitrag beruht auf eigener Recherche, Dokumentation und der Auswertung von Primärquellen aus meinem Archiv. Dazu gehören unter anderem militärische Nachlässe, Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe sowie originale Orden, Ehrenzeichen, Uniformteile, Säbel und Dolche. Schwerpunkte sind die Bestimmung und Einordnung militärhistorischer Objekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, insbesondere aus Heer, Luftwaffe und Marine. Weitere Themen sind Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, das Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie die Geschichte der Kriegsmarine und der U-Bootfahrer.
Eigene Recherche und Dokumentation:
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Quellen und Literatur: Reichsgesetzblatt 1939 I; Bundesarchiv; Deutsches U-Boot-Museum / U-Boot-Archiv; Historisches Marinearchiv; Kurt-Gerhard Klietmann, Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936–1945; Jörg Nimmergut, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945; Heinrich Doehle, Die Auszeichnungen des Großdeutschen Reichs;
Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS 1939–1945.
Klietmann, Kurt-Gerhard: Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936–1945.
Stellenbesetzungslisten der 15. Panzergrenadier-Division, Stand Mai 1945.
Chronik der Panzerjäger-Abteilung 33.
Britische Operations- und Gefechtsunterlagen zum Raum Zeven/Bremervörde, April 1945.
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