Geschichte des Ordens Pour le Mérite von der Stiftung 1740 bis zum  Ende der Verleihungen 1918:
Epochen, Verleihung, bekannte Träger, Flieger, Marine und Heer.

Der Orden Pour le Mérite, im Ersten Weltkrieg auch als „Blauer Max“ bekannt, war die höchste militärische Auszeichnung Preußens. Gestiftet wurde er bereits 1740 von Friedrich dem Großen. Zunächst konnte der Orden auch für zivile Verdienste verliehen werden. Das änderte sich 1810. Friedrich Wilhelm III. beschränkte den Pour le Mérite auf militärische Leistungen im Felde.Damit wurde der Orden zu einer Auszeichnung für Offiziere, die sich vor dem Feind besonders bewährt hatten. Es ging nicht um lange Dienstzeit oder bloße Teilnahme an einem Feldzug, sondern um konkrete Leistungen im Gefecht, in der Führung von Truppen oder bei wichtigen militärischen Entscheidungen.

Anmerkung: Im Folgenden geht es ausschließlich um die militärische Klasse des Pour le Mérite. Die spätere Friedensklasse für Wissenschaften und Künste, die ab 1842 bestand, ist davon zu trennen und wird hier nicht behandelt.

Entwicklung und Bedeutung des Ordens Pour le Mérite

Der Pour le Mérite entstand in einer Zeit, in der Preußen seine Stellung als Militärmacht immer weiter ausbaute. Friedrich der Große nutzte den Orden, um besondere militärische Verdienste sichtbar zu würdigen.
Die entscheidende Änderung kam 1810. Von da an war der Orden an militärische Verdienste im Felde gebunden. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon wurde der Orden weiter aufgewertet. Ab 1813 konnte zusätzlich das Eichenlaub verliehen werden. Diese Auszeichnung erhielten Offiziere, die den Orden bereits besaßen und sich erneut besonders hervorgetan hatten.

Epochen der Verleihung von 1740 bis 1918

Die Geschichte des Pour le Mérite folgt den großen Kriegen Preußens und des Deutschen Kaiserreichs. Vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Orden in sehr unterschiedlichen militärischen Zusammenhängen verliehen.

Zeitraum Historischer Zusammenhang Bedeutung für den Orden
1740 Stiftung durch Friedrich den Großen Beginn des Ordens Pour le Mérite
1740–1763 Schlesische Kriege und Siebenjähriger Krieg militärische und zivile Verdienste
1810 Neuordnung unter Friedrich Wilhelm III. Beschränkung auf militärische Verdienste im Felde
1813–1815 Befreiungskriege Einführung des Eichenlaubs
1864 Deutsch-Dänischer Krieg Verleihungen für Führung und taktische Leistungen
1866 Deutscher Krieg Auszeichnung preußischer Offiziere in den Einigungskriegen
1870/71 Deutsch-Französischer Krieg zahlreiche Verleihungen an Truppenführer
1900/01 Boxeraufstand Verleihungen bei überseeischen Einsätzen
1904–1908 Kolonialkriege Auszeichnungen im Rahmen der Schutztruppeneinsätze
1914–1918 Erster Weltkrieg letzte und bekannteste Verleihungsphase
November 1918 Ende der Monarchie Ende der militärischen Verleihungen

In den Einigungskriegen von 1864, 1866 und 1870/71 wurde der Orden vor allem an Offiziere verliehen, die Truppen erfolgreich führten oder in entscheidenden Lagen Verantwortung übernahmen. Auch bei Einsätzen außerhalb Europas, etwa während des Boxeraufstandes und in den Kolonialkriegen, kam der Pour le Mérite zur Verleihung.

Verleihung durch König und Kaiser

Verliehen wurde der Pour le Mérite durch den König von Preußen. Nach der Reichsgründung 1871 war der preußische König zugleich Deutscher Kaiser. Der Orden blieb jedoch eine preußische Auszeichnung.
Der Pour le Mérite war Offizieren vorbehalten. Mannschaften und Unteroffiziere konnten ihn nicht erhalten, auch wenn sie sich im Gefecht besonders ausgezeichnet hatten. Genau hier lag ein wesentlicher Unterschied zum Eisernen Kreuz. Dieses wurde 1813 während der Befreiungskriege gestiftet und war bewusst dienstgradübergreifend angelegt. Es konnte vom einfachen Soldaten bis zum General verliehen werden.

Das Eiserne Kreuz stand jedoch nicht in jedem Krieg als aktuelle Kriegsauszeichnung zur Verfügung. Es wurde nur zu bestimmten Kriegen gestiftet beziehungsweise erneuert, etwa 1813, 1870 und 1914. In anderen Konflikten, darunter 1864, 1866, der Boxeraufstand und die Kolonialkriege, mussten daher andere preußische Orden und Ehrenzeichen die Funktion einer sichtbaren Tapferkeits- oder Kriegsverdienstauszeichnung übernehmen.
Für Offiziere  kamen in solchen Fällen unter anderem der Rote Adlerorden oder der Kronenorden mit Schwertern in Betracht.
Für Unteroffiziere und Mannschaften waren die Militär-Ehrenzeichen 1. und 2. am schwarz-weißen Band sowie später das Goldene Militär-Verdienst-Kreuz von Bedeutung.
Diese Auszeichnungen ersetzten das Eiserne Kreuz nicht im formalen Sinn, füllten aber in den betreffenden Konflikten die Lücke, die durch das nicht neu gestiftete Eiserne Kreuz entstand.

Das Goldene Militär-Verdienst-Kreuz nahm dabei eine besondere Stellung ein. Es war die höchste preußische Auszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften und wurde deshalb häufig als „Pour le Mérite für Unteroffiziere und Mannschaften“ oder als „Mannschafts-Pour-le-Mérite“ bezeichnet. Ordenskundlich blieb es aber eine eigene Auszeichnung und war kein Pour le Mérite.

Die Verleihung des Pour le Mérite erfolgte durch Kabinettsorder. Eine postume Verleihung war nicht vorgesehen. Der Offizier musste zum Zeitpunkt der Verleihung am Leben sein.

Der Pour le Mérite im Ersten Weltkrieg – die große Zeit des Ordens

Im Ersten Weltkrieg wurde der Pour le Mérite 687 Mal verliehen. Bei der Größe der deutschen Streitkräfte blieb er damit eine seltene Auszeichnung. Gleichzeitig wurde gerade diese Zeit zur bekanntesten Phase des Ordens.

Obwohl der Pour le Mérite heute oft zuerst mit Jagdfliegern verbunden wird, ging der größte Teil der Verleihungen an Offiziere des Heeres. Dort wurde er vor allem für Führungsleistungen vergeben. Die Flieger standen jedoch stärker im Blick der Öffentlichkeit. Ihre Erfolge waren sichtbar, leichter zu vermitteln und wurden in der damaligen Berichterstattung entsprechend herausgestellt. Auch die Marine hatte mit U-Boot-Kommandanten und Luftschiffführern Träger, die öffentlich stark wahrgenommen wurden.

Berichterstattung, Propaganda und Heldenbild

Der Grund lag nicht nur in den Taten, die zur Verleihung führten, sondern vor allem in der moderneren Berichterstattung dieser Zeit. Zeitungen, Illustrierte, Fotografien, Postkarten, frühe Filmaufnahmen in Lichtspielhäusern und die staatliche Kriegspropaganda machten einzelne Träger weit über militärische Kreise hinaus bekannt.

Aus Offizieren wurden öffentlich gefeierte Heldenfiguren. Ihre Bilder, Namen und Erfolge wurden plakativ verbreitet. Gerade junge Männer konnten dadurch den Krieg als Abenteuer, Bewährungsprobe und Weg zu Ruhm und Anerkennung wahrnehmen. Darin lag die verführende Kraft dieser Darstellung: Der Krieg erschien nicht als Leid, Tod, Verstümmelung und Elend im Dreck der Schützengräben, sondern als Bühne für Tapferkeit und Auszeichnung.

Der Pour le Mérite wurde dadurch nicht nur als Orden wahrgenommen, sondern als sichtbares Zeichen dieses Heldenbildes.

Namen wie Oswald Boelcke, Manfred von Richthofen, Otto Weddigen, Peter Strasser oder Ernst Jünger stehen bis heute für diese Phase des Ordens. Viele dieser Namen begegnen uns noch immer in Straßennamen, Kasernenbezeichnungen oder in militärhistorischen Veröffentlichungen. Das zeigt, wie eng der Pour le Mérite mit der Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg verbunden ist.

Bereich Verleihungen im Ersten Weltkrieg Hinweis
Gesamtzahl 687 militärische Verleihungen 1914–1918
Heer 533 Truppenführer, Frontkommandeure und Offiziere des Heeres
Luftstreitkräfte 132 häufig gesondert gezählt, organisatorisch überwiegend dem Heer zugeordnet
davon Jagdflieger 81 bekannteste Gruppe der Fliegerträger
Kaiserliche Marine 49 U-Boot-Kommandanten, Flottenführung und Marineflieger
verbündete Offiziere und sonstige Fälle 24 Offiziere der Mittelmächte und Sonderfälle

Die Zahlen sind nicht immer einfach zu lesen. Die Luftstreitkräfte gehörten organisatorisch überwiegend zum Heer, werden in vielen Aufstellungen aber als eigene Gruppe geführt. Entscheidend ist daher weniger eine reine Addition als die Einordnung: Das Heer stellte die meisten Träger, die Flieger und U-Boot-Kommandanten prägten aber die öffentliche Wahrnehmung.

Heer, Luftstreitkräfte und Marine

Im Heer wurde der Pour le Mérite vor allem für Führung im Gefecht verliehen. Dazu gehörten erfolgreiche Angriffe, das Halten wichtiger Frontabschnitte, Durchbrüche oder die Führung größerer Verbände unter schwierigen Bedingungen. Viele Empfänger waren Generale, Regimentskommandeure oder Offiziere in verantwortlicher Frontstellung.

Bei den Luftstreitkräften spielte die Zahl bestätigter Luftsiege eine immer größere Rolle. Max Immelmann und Oswald Boelcke erhielten den Orden 1916 nach jeweils acht Luftsiegen. Später wurden die Anforderungen höher. 1918 lag die Schwelle für Jagdflieger meist bei etwa zwanzig bestätigten Abschüssen.

In der Kaiserlichen Marine erhielten vor allem U-Boot-Kommandanten, Offiziere der Flottenführung, Marineflieger und Luftschiffführer den Orden. Bei U-Boot-Kommandanten war die versenkte Tonnage ein wichtiger Maßstab. Häufig wird eine Größenordnung von rund 100.000 Bruttoregistertonnen genannt. Das war jedoch keine starre Regel, sondern Teil der damaligen Verleihungspraxis.

Die folgende Übersicht schlüsselt vor allem die Luftstreitkräfte und die Marine genauer auf:

Bereich Anzahl Einordnung
Jagdflieger 81 Piloten mit bestätigten Luftsiegen
Beobachter, Aufklärer und Bomberpiloten 35 Aufklärung, Bombenflug und taktische Luftkriegsführung
Führung und Organisation der Luftstreitkräfte 16 höhere Offiziere und Stabsoffiziere
U-Boot-Kommandanten 30 meist hohe Versenkungszahlen
Flottenführung und Überseestreitkräfte 14 Admirale, Kommandanten größerer Einheiten und Sonderoperationen
Marineflieger und Luftschiffführer 5 Seeflieger und Führer der Marineluftschiffe

Bekannte Träger des Ordens Pour le Mérite

Zu den bekannten Trägern des Pour le Mérite gehören zahlreiche Offiziere der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Im 19. Jahrhundert zählt dazu Helmuth von Moltke der Ältere. Im Ersten Weltkrieg erhielten unter anderem Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff den Orden.
Besonders bekannt wurde der Orden durch die Fliegertruppe. Max Immelmann, Oswald Boelcke und Manfred von Richthofen machten ihn auch außerhalb Deutschlands bekannt. Der Beiname „Blauer Max“ wird häufig mit Max Immelmann verbunden, übertrug sich später aber auf den Orden insgesamt.
Auch in der Kaiserlichen Marine gab es bekannte Träger. Dazu gehörten U-Boot-Kommandanten, Offiziere der Hochseeflotte, Marineflieger und Luftschiffführer. Gerade diese Verbindung macht den Orden für die norddeutsche Marinegeschichte interessant.

Ein abgeschlossenes Kapitel der preußischen Militärgeschichte

Mit der Abdankung Wilhelms II. im November 1918 endete die staatliche Verleihung der militärischen Klasse des Pour le Mérite. Der Orden blieb damit auf die Zeit Preußens und des Deutschen Kaiserreichs beschränkt.
Seine Geschichte reicht von Friedrich dem Großen bis zum Ersten Weltkrieg. Die Trägerliste zeigt, wie stark sich Kriegführung und militärische Führung zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert veränderten.
Bekannt wurde der Orden vor allem durch die Flieger des Ersten Weltkriegs.
Historisch reicht seine Bedeutung jedoch erheblich weiter.

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Autor und Quellen

Quellen und Literatur: Reichsgesetzblatt 1939 I; Bundesarchiv; Deutsches U-Boot-Museum / U-Boot-Archiv; Historisches Marinearchiv; Kurt-Gerhard Klietmann, Auszeichnungen des Deutschen Reiches 1936–1945; Jörg Nimmergut, Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945; Heinrich Doehle, Die Auszeichnungen des Großdeutschen Reichs;

Quellen und Literatur

Lehmann, Gustaf: Die Ritter des Ordens pour le mérite. Mittler, Berlin 1913.

Möller, Hanns: Geschichte der Ritter des Ordens pour le mérite im Weltkrieg. Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935.

Hildebrand, Karl-Friedrich / Zweng, Christian: Die Ritter des Ordens Pour le Mérite des I. Weltkriegs. Biblio Verlag, Osnabrück

Nimmergut, Jörg: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München.

Patzwall, Klaus D.: Das preußische Goldene Militär-Verdienst-Kreuz. Militair-Verlag Patzwall, Norderstedt 1986.

Deutsches Historisches Museum / LeMO: Beitrag zum Orden Pour le Mérite.

Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste: historische Dokumente zur Friedensklasse ab 1842.

Eisernes Kreuz: Stiftung 1813 sowie Erneuerungen 1870, 1914 und 1939.

Goldenes Militär-Verdienst-Kreuz: höchste preußische Auszeichnung für Unteroffiziere und Mannschaften.

Autor:
Thomas Huss – Sammler und Händler für militärhistorische Objekte

Dieser Beitrag beruht auf eigener Recherche, Dokumentation und der Auswertung von Primärquellen aus meinem Archiv. Dazu gehören unter anderem militärische Nachlässe, Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe sowie originale Orden, Ehrenzeichen, Uniformteile, Säbel und Dolche. Schwerpunkte sind die Bestimmung und Einordnung militärhistorischer Objekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, insbesondere aus Heer, Luftwaffe und Marine. Weitere Themen sind Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, das Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie die Geschichte der Kriegsmarine und der U-Bootfahrer.

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