Die kaiserliche Yacht Hohenzollern: Ein rätselhaftes Tuch und seine Geschichte

Manche Objekte überdauern nicht, weil man ihnen besondere Bedeutung beimisst, sondern gerade weil man sie vergisst. So war es auch mit diesem Tuch.

Herkunft

Das hier vorgestellte Tuch stammt aus dem Besitz einer Adelsfamilie aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Der Urgroßvater dieser Familie war in der Provinz Schleswig-Holstein als Politiker öffentlich angesehen.

Nach familiärer Überlieferung, die sich auch anhand erhaltener Dokumentationen nachvollziehen lässt, nahmen er und seine Ehefrau als Bordgäste an einer Fahrt der kaiserlichen Yacht im Rahmen der Orientfahrt des Kaiserpaares teil. Beide waren bei der Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem am 31. Oktober 1898 persönlich anwesend.

Neben weiteren Erinnerungsstücken blieb unter anderem dieses großformatige Tuch erhalten. Eine konkrete Funktion oder Verwendung wurde innerhalb der Familie nicht überliefert. Über Jahrzehnte lagerte das Stück unbeachtet in einer Dachkammer und blieb dabei in gutem Zustand erhalten.

Das Objekt

Bei dem Textil handelt es sich um ein großformatiges Jacquard-Bildgewebe aus der Zeit des deutschen Kaiserreichs. Motiv und Ausführung weisen auf einen Zusammenhang mit der kaiserlichen Yacht S.M.Y. Hohenzollern hin, die unter Wilhelm II. als Staats- und Repräsentationsyacht diente.

Material und Ausführung

Das Gewebe ist dicht und schwer gearbeitet. Die Kanten sind fachgerecht versäubert (Kettelstich). Insgesamt zeigt sich eine sorgfältige, qualitätsvolle textile Ausführung.

Datierung und historischer Rahmen

Die Entstehung des Gewebes ist in den Zeitraum zwischen 1898 und 1914 einzuordnen. Ein zentrales zeitliches Bezugselement bildet der eingewebte Leitspruch:

„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“

Der Satz geht auf die Stettiner Rede Kaiser Wilhelms II. vom 23. September 1898 zurück und steht im Zusammenhang mit der maritimen Programmatik des Kaiserreichs.

Einordnung

Tücher dieser Art sind heute nur selten zu finden. Ob dieses Stück ursprünglich zur Ausstattung der kaiserlichen Yacht gehörte oder im Umfeld der Reise als repräsentatives Geschenk weitergegeben wurde, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Seine Bedeutung und Seltenheit bleiben davon unberührt.

Der Erhaltungszustand ist bemerkenswert gut. Webstruktur und Motiv sind klar erhalten; leichte Verblassung und wenige Flecken mindern den Gesamteindruck nicht.


Bildnachweise / Urheber

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