Einleitung
Und erneut ist uns ein äußerst seltenes Sammlerobjekt in die Hände gefallen. Diese Gelegenheit möchten wir nutzen, um euch diese Rarität näher vorzustellen.
Die Pistole M 1849 der Marine des Deutschen Bundes
Die Marine des Deutschen Bundes existierte nur wenige Jahre, von 1848 bis 1852. Sie war der erste gemeinsame deutsche Flottenverband und entstand im Zuge des deutsch-dänischen Konflikts. Ihr Auftrag bestand vor allem darin, die deutsche Handelsschifffahrt zu schützen und eine Grundfähigkeit zur Seeverteidigung aufzubauen. Da zuvor keine gesamtdeutsche Marine existierte, musste der Verband aus Ankäufen, Umbauten und wenigen Neubauten schnell zusammengestellt werden. In dieser kurzfristigen Aufbauphase entstand auch die Pistole M 1849 – eine der seltensten deutschen Militärpistolen des 19. Jahrhunderts.
Ein kurzfristig entwickeltes Modell
Die Marine benötigte schnell eine einheitliche Faustfeuerwaffe. Man entschied sich für einen Perkussions-Vorderlader mit glattem Lauf, brünierten Eisenteilen, Messingbeschlägen, Nussbaumschaft und einem Gelenkladestock. Der Gürtelhaken gehörte zunächst zur Standardausstattung. Die technischen Vorgaben wurden im März 1849 in Suhl festgelegt, das Muster lag wenige Wochen später vor.
Der Bund bestellte 1.000 Pistolen; gefertigt wurde bei Schilling, Haenel und Spangenberg & Co. Die Abnahme erfolgte durch die preußische Gewehrkommission.
Technische Merkmale
Die Pistole ist etwa 398 mm lang, der glatte Lauf misst 236 mm. Das Kaliber beträgt rund 15,7 mm. Sie besitzt ein Perkussionsschloss nach Art des preußischen Infanteriegewehrs M 1839; die innere Mechanik entspricht weitgehend der späteren Pistole M 1850. Ein langes Messingkorn dient als Visier, eine Kimme fehlt. Der Gelenkladestock ist unter dem Lauf scharnierend befestigt.
Der Nussbaum-Halbschaft trägt gegossene Messingbeschläge. Lauf und Schloss sind brüniert. Die Pistolen zeigen die typischen Marine- und Abnahmestempel.
Kennzeichnung der Pistole M 1849
Herstellerkennzeichnung
Auf dem Schlossblech finden sich je nach Fertiger:
Stempel der Bundesmarine
Typisch sind:
Diese Stempel finden sich auf Schlossblech, Pulversack und häufig am Schaft.
Preußische Abnahmestempel
Da die Endkontrolle durch Preußen erfolgte:
Pistolen mit diesen späten preußischen Stempeln besitzen fast immer den originalen Gürtelhaken.
Merkmale der Mainzer Umarbeitung
Für den Festungsdienst in Mainz wurden die Gürtelhaken entfernt. Dies betrifft nahezu alle dort verbliebenen Stücke.
Varianten und Seltenheit
Die frühe Ausführung mit Gürtelhaken ist heute deutlich seltener, da die meisten Pistolen in Mainz umgerüstet wurden. Exemplare mit Haken und späten preußischen Stempeln stammen fast immer aus dem Bestand der Schiffe Eckernförde und Barbarossa.
Dienstzeit und Verbleib
Die Pistole war nur wenige Jahre in Nutzung. Nach der Auflösung der Marine wurden alle Waffen 1853 in die Bundesfestung Mainz überführt.
1859 zählte man:
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124 Pistolen im Dienst
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687 Pistolen eingelagert
Am 2. Januar 1861 wurden 811 Pistolen verkauft.
189 Stück waren bereits zuvor über die beiden Schiffe an Preußen gelangt.
Der weitere Verbleib der verkauften Pistolen ist nicht dokumentiert.
Bedeutung
Die Pistole M 1849 ist die einzige Ordonnanzpistole, die speziell für die kurze Zeit der Bundesmarine gefertigt wurde. Mit nur 1.000 Exemplaren, geringer Nutzungsdauer und späteren Umbauten gehört sie zu den seltensten deutschen Dienstpistolen des 19. Jahrhunderts.
Quellen:
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Udo Lander: Die Pistole M 1849 der Marine des Deutschen Bundes, Waffensammler-Kuratorium, 2024.
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Sammlung Thomas Huss, eigene Fotos und Objektunterlagen. www.germman-historica.de
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