Die Walzenbox der Enigma M4 – Aufbewahrung der Wechselwalzen der Kriegsmarine
Die abgebildete Holzbox wurde vor einigen Jahren auf einem Kieler Flohmarkt verkauft. Sie stammt aus dem Ausrüstungsbestand der deutschen Kriegsmarine und diente der Aufbewahrung der Wechsel- und Ersatzwalzen für die Enigma M4, die ab 1942 auf U-Booten und in Marinefunkstellen eingesetzt wurde.
Im Inneren befinden sich acht grün befilzte Steckplätze, passend zu den Rotoren der Enigma. Die Polsterung schützte die Kontaktflächen und Ringe der Walzen vor Beschädigung und dämpfte Stöße beim Transport.
Zum Walzensatz der Enigma M4 gehörten:
– fünf Standardwalzen (I–V) aus der Vorgängerversion M3,
– zwei dünne Zusatzwalzen (β und γ) sowie
– eine dünne Umkehrwalze (UKW B thin oder C thin).
Damit war die Box auf acht Walzen ausgelegt – genau die Anzahl, die für den Betrieb der M4 benötigt wurde.
Die Walzenanordnung wurde durch festgelegte Tagesschlüssel bestimmt. Diese gaben vor, welche Walzen zu verwenden waren, in welcher Reihenfolge sie eingesetzt wurden und welche Ringstellungen galten. Bei der Kriegsmarine standen diese Angaben im Kenngruppenheft oder in den Schlüsselunterlagen für Funkstellen und wurden regelmäßig geändert, um Muster im Funkverkehr zu vermeiden.
Wir zeigen hier auch ein Marine-Maschinenschlüssel-Blatt. Darauf wurden die täglichen Vorgaben festgelegt – also, welche Umkehrwalze (UKW), welche Walzenkombination, welche Ringstellungen und welche Steckerverbindungen zu verwenden waren.
Das abgebildete Blatt bezieht sich auf eine Enigma M3. Das erkennt man daran, dass keine griechischen Walzen (β und γ) aufgeführt sind. Diese Zusatzwalzen wurden ausschließlich bei der Enigma M4 verwendet. Die M3 hatte also keine griechische Walze, die M4 dagegen immer eine (β oder γ) als vierte Walze.
Der auf der Innenseite des Deckels angebrachte Stempel „Kommando der Marine-Station der Ostsee / Druckschriftenverwaltung“ weist auf eine Ausgabe über die Marineleitung Kiel hin. Solche Boxen befanden sich auf U-Booten und in Küstenfunkstellen, wo regelmäßig Walzen getauscht und Schlüssel geändert wurden.
Jede Box war nummeriert und einem bestimmten Walzensatz zugeordnet. Sie war Teil des kontrollierten Schlüsselwesens der Kriegsmarine und diente der sicheren Handhabung des Chiffriermaterials.
Originale Walzenboxen der M4 sind heute äußerst selten. Viele wurden zusammen mit den Enigma-Geräten am Kriegsende unbrauchbar gemacht, zerstört oder in See versenkt, da die Marine die Geheimhaltung der Technik bis zuletzt aufrechterhielt – obwohl die Alliierten den Funkverkehr längst mitlesen und entschlüsseln konnten.
Diese Situation hatte maßgeblichen Einfluss auf den Kriegsverlauf, vor allem im Atlantik, wo der U-Boot-Funk ab 1943 zunehmend abgefangen und ausgewertet wurde.
Die gezielte Vernichtung der Geräte erklärt, warum heute nur wenige originale Walzenboxen und Enigma-Bestände der Kriegsmarine erhalten geblieben sind.
Autor · Urheber · Fachliche Verantwortung
Dipl.-Ing. Thomas Huss
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