Ein US-Offizierssäbel des Sezessionskriegs in ungewöhnlicher maritimer Ausführung
Säbel in einer Luxus-Ausführung für Offiziere des US Marine Corps (USMC) oder des Revenue Cutter Service (RCS).
I. Fakten
Klingenhersteller:
WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Co.), Solingen.
Werkseitig geschlagene Marke (Königskopf/Ritterhelm) auf der Fehlschärfe.
Händlersignatur:
W.H. Horstmann & Sons, Philadelphia.
In aufwendiger Goldätzung innerhalb einer Kartusche auf der Klinge ausgeführt.
Klinge:
Hochwertige Relief-Goldätzung auf poliertem Stahl.
Die maritimen Motive umfassen den amerikanischen Adler mit „E Pluribus Unum“, eine Kompassrose, einen Anker sowie die explizite Markierung „USN“.
Gefäß:
Modell 1850 Foot Officer.
Durchbrochenes Messing mit reinem Floral-Dekor.
Gemäß Reglement bewusst ohne „US“-Schriftzug im Korb ausgeführt.
Griff:
Rochenhaut (Shagreen) mit Wicklung aus verdrilltem Draht.
Scheide:
Messingbeschläge an einem Scheidenkörper, der vollständig mit fäulnisresistenter Rochenhaut überzogen ist.
II. Historische Einordnung und Material
Reglement und Typologie (ohne „US“):
Gemäß dem Reglement des United States Marine Corps vom 25. November 1859 trugen Marine-Offiziere das Foot-Officer-Modell ohne „US“ im Korb. Die armytypische Gefäßform entsprach damit den Vorschriften für den Marinedienst.
Hybrid-Konfiguration:
Die Kombination aus dem vorgeschriebenen Army-Gefäß und einer prunkvoll ausgeführten, maritim gekennzeichneten Klinge mit der Markierung „USN“ weist auf eine private Beschaffung in gehobener Ausführung hin. Maritime Ätzungen dienten dabei der Identitätswahrung und der Tradition innerhalb dieser vorgegebenen Army-Konfiguration.
Funktionalität der Rochenhaut:
Die Verwendung von Rochenhaut (Shagreen) an Griff und Scheide ist ein Beleg für den maritimen Einsatz. Im Gegensatz zu Leder, das unter Salzwassereinfluss aufquillt und verrottet, ist Rochenhaut aufgrund ihrer Dentin-Strukturen fäulnisresistent. Die körnige Oberfläche verbessert zudem die Rutschfestigkeit bei Gischt und Regen. Die Ausstattung ist damit kein bloßer Zierrat, sondern eine sinnvolle Maßnahme für den Dienst auf See.
Korrosionsschutz:
Messingbeschläge in Verbindung mit dem Rochenhaut-Überzug dienten dem Schutz gegen die aggressive Meeresluft und entsprechen dem Standard für Offizierswaffen der US Navy sowie des Revenue Cutter Service dieser Epoche.
Musealer Abgleich / Status:
Vergleichsstücke dieser Hybrid-Konfiguration – Foot-Officer-Gefäß in Verbindung mit maritim geprägten Klingen – sind im National Museum of the Marine Corps sowie im Smithsonian dokumentiert. Die erhaltene Goldätzung und die seltene Rochenhaut-Scheide ordnen das Stück in den Bereich repräsentativer Offizierswaffen ein.
III. Provenienz
Der Säbel stammt aus dem Nachlass eines Minentauchers der Bundeswehr, der in den 1970er-Jahren in Eckernförde Dienst tat.
Der Vorbesitzer verstarb 2023. Das Stück wurde 2025 in Kiel im Rahmen einer Haushaltsauflösung aufgefunden und lag zusammen mit weiteren maritimen Andenken zur Entsorgung bereit.
Hinweis zur Einordnung
Diese Dokumentation wurde nach bestem Wissen und mit der gebotenen Sorgfalt erstellt. Auch hier gilt: Niemand ist unfehlbar. Sollten sich Fehler, Ungenauigkeiten oder andere Sichtweisen ergeben, bin ich für sachliche Hinweise oder Korrekturen dankbar.
Quelle und Eigentum
Die vorliegende Dokumentation sowie das beschriebene Objekt stammen aus dem Eigentum von Thomas Huss.
Text, Zusammenstellung und Dokumentation wurden von ihm erstellt.
Kontakt:
E-Mail: t.huss@german-historica.de
Telefon: 0173 2110274
Web: german-historica.de
IV. Ausführliches Quellenverzeichnis
Thillmann, John H.: Civil War Navy Swords (2007).
Belegt die Verwendung von Rochenhaut (S. 21 ff.) und Horstmann-Hybriden für USMC/RCS.
Thillmann, John H.: Civil War Army Swords (2001).
Erläuterung zum M1850-Gefäß ohne „US“ als Modell für Linienoffiziere.
Peterson, Harold L.: The American Sword 1775–1945.
Standardwerk zur Typologie und zu den Solinger Importen durch Horstmann.
United States Marine Corps: Uniform Regulations (25. November 1859).
Primärquelle für die Einführung des Foot-Officer-Gefäßes im Marine Corps.
Autor & Expertise: Dipl.-Ing. Thomas Huss
Dieser Fachbeitrag basiert auf eigener militärhistorischer Forschung sowie der Auswertung von Primärquellen (Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe) aus meinem Archiv.
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Arbeitsschwerpunkt: Fachgerechte Bestimmung von Orden und Ehrenzeichen aller Waffengattungen (Heer, Luftwaffe, Marine) und Epochen (insbes. 1. & 2. Weltkrieg).
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Spezialisierung: Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie deren Trägergeschichte.
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