HJ-Fahrtenmesser – RZM M7/72 Karl Robert Kaldenbach, Solingen-Grafrath vom Symbol der Jugendorganisation HJ zum Werkzeug der Pfadfinder
Heute möchte ich ein sehr schönes und zugleich seltenes Exemplar eines Fahrtenmessers vorstellen. Es handelt sich um ein Stück des Herstellers Karl Robert Kaldenbach, Solingen-Grafrath, das unter der RZM-Kennzeichnung M7/72 ausgegeben wurde.
Historischer Hintergrund
Das Fahrtenmesser war ursprünglich kein reiner Kampf- oder Paradewaffen-Dolch, sondern ein Allzweckmesser, das in der Jugendorganisation des Dritten Reiches als Ausrüstungsstück Verwendung fand. Produziert wurde es ab den 1930er-Jahren in zahlreichen Varianten und von unterschiedlichen Herstellern. Das RZM (Reichszeugmeisterei) regelte ab 1934 die Vergabe von Herstellerkennzeichen, wodurch eine genaue Zuordnung zu Firmen wie Kaldenbach möglich ist.
Nachkriegsnutzung und Anpassung
Nach 1945 verschwanden die Messer nicht völlig. Viele Exemplare wurden in Pfadfindergruppen oder Sport- und Wandervereinen (S&W) als praktisches Werkzeug weitergenutzt. Dabei kam es häufig nur zu einer symbolischen Anpassung: Das frühere Emblem im Griff wurde entfernt oder durch die Lilie der Pfadfinder ersetzt.
Die Bedeutung der Lilie
Die drei Blätter der Lilie stehen für die drei Versprechen der Pfadfinder:
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Treue zu Gott und den Mitmenschen
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Hilfeleistung in jeder Lage
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Einhaltung der Pfadfinderregeln
Nach dem Zweiten Weltkrieg griffen Pfadfindergruppen bewusst auf dieses Zeichen zurück, um sich klar von der politischen Symbolik der Vorkriegszeit abzugrenzen und eine positive, internationale Jugendbewegung zu repräsentieren. So wurde aus dem ehemals ideologisch besetzten Fahrtenmesser ein praktisches Werkzeug mit einem neuen, friedlichen Symbol.