Hugo Pinkepank

Marineamtmann eine Laufbahn von der Kaiserlichen Marine bis zur Kriegsmarine

Hugo Pinkepank, geboren 1872 in Uslar, trat ca. 1891 in die Kaiserliche Marine unter Wilhelm II. ein. Seine Laufbahn endete erst 1945 im Dienst der Kriegsmarine. Nur sehr wenige Marineangehörige decken durch eine derart lange Dienstzeit – wenn auch mit Unterbrechungen – einen so großen Zeitraum der deutschen Marinegeschichte ab.

Inspiriert wurden wir durch ein auf den ersten Blick unscheinbares Soldbuch, ausgestellt im Jahr 1942. Zunächst schien es lediglich ein weiteres Zweitexemplar eines einfachen Marinebeamten zu sein, und unsere Erwartungen waren eher mäßig. Erst als wir begannen, die Eintragungen sorgfältig zu entziffern, ergab sich nach und nach ein Bild, das wir so nicht erwartet hätten.

Da frühere Personalunterlagen nicht überliefert sind, lässt sich Pinkepanks Werdegang, insbesondere in den ersten Dienstjahren, nur eingeschränkt nachvollziehen. Dennoch gelang es uns durch Recherche, eine Rekonstruktion seiner Laufbahn auf Grundlage der Eintragungen im vorliegenden Soldbuch vorzunehmen. Da keine weiteren frühen Militärunterlagen erhalten geblieben sind, mussten Pinkepanks Werdegang und insbesondere seine ersten Dienstjahre weitgehend auf Basis der Soldbucheintragungen rekonstruiert werden.


Von der Werftdivision zur Marineverwaltung

Ein belegbarer Abschnitt seiner frühen Dienstzeit ist das Jahr 1909. Zu diesem Zeitpunkt diente Pinkepank als Vizefeldwebel in der 1. Werftdivision Kiel. Dieser Dienstgrad zählte zu den höheren Portepee-Unteroffiziersrängen der Marine-Landformationen und bildete die fachliche Basis für seinen späteren Wechsel in die Beamtenlaufbahn.

Durch die eingetragenen Auszeichnungen lässt sich annehmen, dass Pinkepank im Ersten Weltkrieg und auch darüber hinaus bei der Marine tätig war, jedoch nicht als sogenannter Kämpfer, sondern weiterhin im Verwaltungsdienst. Ein Einsatz auf einem Kriegsschiff erscheint dabei wahrscheinlich, was durch die Verleihung des Eisernen Kreuzes belegt ist.

Dokumentiert ist durch das 1942 neu ausgestellte Soldbuch, dass Pinkepank zu diesem Zeitpunkt den Titel Marineamtmann (Wehrsoldgruppe 8) führte. Diese Stellung war besoldungsrechtlich etwa dem Rang eines Kapitänleutnants der Truppe gleichgestellt, gehörte jedoch zur Marineverwaltung. Angehörige dieser Laufbahn wurden umgangssprachlich als „Silberlinge“ bezeichnet. Der Begriff leitete sich von den silberfarbenen Effekten (Knöpfe, Tressen und Mützenabzeichen) ab, die sie von den goldenen Abzeichen der Seeoffiziere unterschieden.

Trotz seines Alters von rund 70 Jahren wurde Pinkepank 1942 erneut zum Dienst herangezogen und dem Kommando der Marinestation der Ostsee in Kiel zugeteilt. Ein bei der Offizier-Kleiderkasse geführtes Konto belegt seine Stellung innerhalb der Marineverwaltung sowie seinen Status als uniformtragender Beamter im Offiziersrang des gehobenen Dienstes.


Die Kaiser-Wallfahrt 1898 und das Jerusalem-Kreuz

Die seltenste in Pinkepanks Soldbuch vermerkte Auszeichnung ist das sogenannte Jerusalem-Kreuz, offiziell Gedenkabzeichen an die Kaiser-Wallfahrt 1898. Die Verleihung erfolgte am 31. Oktober 1898, als Pinkepank Angehöriger der Besatzung der kaiserlichen Jacht SMY Hohenzollern war.

Die Reise stand im Zusammenhang mit der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem. Während Wilhelm II. die politische Repräsentation übernahm, war Kaiserin Auguste Viktoria als Schirmherrin des Kirchenbauvereins maßgeblich an der Planung und Durchführung beteiligt. Pinkepank gehörte zu diesem Zeitpunkt als Angehöriger der Schiffsbesatzung zur kaiserlichen Jacht und war wohl auch bei der Einweihung anwesend.

Das Gedenkabzeichen wurde offiziell in einer Stückzahl von 200 Exemplaren hergestellt; es wurden jedoch nur 188 Verleihungen vorgenommen. Das Jerusalem-Kreuz ist im 1942 neu ausgestellten Soldbuch Pinkepanks vermerkt; die Auszeichnung selbst ist nicht erhalten.

Der Stellenwert, den das Jerusalem-Kreuz innerhalb der Ordensfolge einnahm, zeigt sich in seiner Platzierung beziehungsweise Anordnung auf den Bandspangen. Das Jerusalemkreuzband wurde stets direkt hinter den Kriegsauszeichnungen getragen. Die Reihenfolge der Auszeichnungen war dabei verbindlich geregelt und zeigt den hohen Stellenwert dieses Kreuzes.


Auslandseinsätze und Verwaltungstätigkeit

Zwischen 1898 und 1906 war Pinkepank an mehreren überseeischen Einsätzen beteiligt. Dazu zählen der Einsatz in China während des Boxeraufstands (1901) sowie der Dienst in Deutsch-Südwestafrika zur Zeit des Herero-Aufstands (1906). Belegt sind hierfür die China-Denkmünze (mutmaßlich in der Stahl-Version) sowie die Südwestafrika-Denkmünze.

Im Ersten Weltkrieg wurde ihm zudem das Eiserne Kreuz II. Klasse am weißen Band für Nichtkämpfer verliehen.


  • Überblick über fünf Jahrzehnte im Dienste der Marine

    Pinkepanks Auszeichnungen – dokumentiert durch die Bandspange

    • Eisernes Kreuz II. Klasse (1914), weißes Band – verliehen 1918

    • Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern (1939) – verliehen am 20.11.1944

    • Jerusalem-Kreuz (1898) – Gedenkauszeichnung der Kaiserfahrt

    • Dienstauszeichnung I.–IV. Klasse mit Eichenlaub (1936) – für 40 Dienstjahre

    • Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer (1934) – ohne Schwerter

    • Allgemeines Ehrenzeichen (Preußen, 1909) – für Beamte

    • China-Denkmünze (1901) – Stahl-Version ??

    • Südwestafrika-Denkmünze (1906) – für den Kolonialeinsatz

    • Zentenarmedaille (1897) – Erinnerung an Kaiser Wilhelm I.


    Pinkepanks Auszeichnungen – dokumentiert durch das Soldbuch

    • Zentenarmedaille (1897) – Erinnerung an Kaiser Wilhelm I.

    • Jerusalem-Kreuz (1898) – Gedenkauszeichnung der Kaiserfahrt

    • China-Denkmünze (1901) – Stahl-Version

    • Südwestafrika-Denkmünze (1906) – für den Kolonialeinsatz

    • Allgemeines Ehrenzeichen (Preußen, 1909) – für Beamte

    • Eisernes Kreuz II. Klasse (1914), weißes Band – verliehen 1918

    • Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer (1934) – ohne Schwerter

    • Dienstauszeichnung I.–IV. Klasse mit Eichenlaub (1936) – für 40 Dienstjahre

    • Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern (1939) – verliehen am 20.11.1944


Fazit

Die Kombination aus Jerusalem-Kreuz, China- und Südwestafrika-Denkmünze in einer Biografie ist extrem selten. Das Soldbuch vermittelt ein eindrucksvolles Bild der Laufbahn eines „Silberlings“, der von der kaiserlichen Marine über die Rechsmarine und Kriegsmarine bis 1945 im Dienst stand.

Leider standen uns keine weiteren Daten oder Dokumente zur Verfügung, sodass wir vieles ableiten mussten und hoffen, dabei nicht allzu viele falsche Annahmen oder Thesen aufgestellt zu haben. Dennoch konnten wir einen interessanten Tatsachenbericht um dieses Soldbuch erstellen. Darüber hinaus zeigt sich, dass selbst ein auf den ersten Blick unscheinbares Dokument eine eindrucksvolle zeitgeschichtliche Geschichte bewahren kann, die es verdient, erzählt und als historisches Dokument erhalten zu werden.


Ergänzende Quelle

Zigarettenbilder-Album „Orden. Eine Sammlung der bekanntesten deutschen Orden und Auszeichnungen“,
herausgegeben von der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik, München, ca. 1932/1933.


Autor & Expertise: Dipl.-Ing. Thomas Huss

Dieser Fachbeitrag basiert auf eigener militärhistorischer Forschung sowie der Auswertung von Primärquellen (Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe) aus meinem Archiv.

  • Arbeitsschwerpunkt: Fachgerechte Bestimmung von Orden und Ehrenzeichen aller Waffengattungen (Heer, Luftwaffe, Marine) und Epochen (insbes. 1. & 2. Weltkrieg).

  • Spezialisierung: Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie deren Trägergeschichte.

  • Ziel: Militärhistorische Originale im geschichtlichen Kontext zu erforschen und für Forschung und Dokumentation dauerhaft zu erhalten.

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