Träger der Goldenen Bayerischen Tapferkeitsmedaille – Gefreiter Paul Hacker

Paul Hacker wurde am 16. September 1897 in Nürnberg geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 3. Kompanie des bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments 20. Für eine Tat an der Sommefront erhielt er am 8. Januar 1917 die Goldene Bayerische Tapferkeitsmedaille.

Diese Medaille war die höchste bayerische Tapferkeitsauszeichnung für Mannschaftsdienstgrade. Offiziere konnten sie nicht erhalten. Verliehen wurde sie nur für außergewöhnliche, persönlich nachgewiesene Tapferkeit vor dem Feind.

Die Zahl der Verleihungen war gering. Im Ersten Weltkrieg wurden insgesamt nur 998 Goldene Bayerische Tapferkeitsmedaillen verliehen. Damit gehört sie zu den seltensten militärischen Auszeichnungen des Königreichs Bayern.

Die Urkunde und die dazugehörigen Familienfotografien stammen direkt aus dem Besitz der Familie. Sie wurden von Paul Hackers Tochter erworben.

Die Begründung der Verleihung ist in der Urkunde wie folgt festgehalten:

„Nachdem schon am 10. Oktober 1916 die Stellung der 3. Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 20 im Gallwitz-Riegel nördlich der Somme schwer gelitten hatte, ebnete erneutes, starkes, von Fliegern geleitetes Artilleriefeuer zwei Tage später Stück für Stück und einen Unterstand nach dem anderen ein. Als wiederum ein Unterstand, in dem sich noch 7 Mann befanden, am Eingange durch einen Volltreffer verschüttet wurde, eilte der Infanterist Hacker der genannten Kompanie mit noch einigen Leuten ungeachtet aller Gefahr zur Rettung herbei. Zunächst wurde rasch ein kleines Loch gegraben. Dann erweiterte es Hacker, der sich seines Rockes entledigt hatte, mit Hilfe seiner Kameraden und zwängte sich schließlich kurz entschlossen durch die Öffnung, die immer wieder zusammenzustürzen drohte, in den Innenraum. Aber ein Toter, Hackers Freund, von Gebälk und Erdreich auf einen zweiten Mann gepresst, versperrte die Öffnung. Nach mühseliger Arbeit gelang es, den toten Körper mit an die Handgelenke gebundenen Brotbeutelbändern herauszuziehen. Nun erst kann Hacker den zweiten, nur betäubten Mann herausschaffen. Nach und nach bringt er auch die übrigen 5 Mann der Besatzung, die ebenfalls ohnmächtig waren, in gefahrvoller Arbeit ans Tageslicht und verlässt als letzter den Unterstand. Durch diese geistesgegenwärtige, selbstlose und mutige Tat wurden 6 Menschenleben gerettet.“

Für diese Tat wurde Paul Hacker mit der Goldenen Bayerischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Die Urkunde wurde in München ausgestellt und trägt das Datum 8. Januar 1917.


Höchste Tapferkeitsauszeichnungen für Mannschaften im Ersten Weltkrieg – Vergleich der deutschen Bundesstaaten

Die Goldene Bayerische Tapferkeitsmedaille war im Ersten Weltkrieg die höchste Tapferkeitsauszeichnung Bayerns für Mannschaftsdienstgrade. In Rang und Bedeutung entsprach sie den höchsten Auszeichnungen anderer deutscher Bundesstaaten. Die Verleihungszahlen zeigen, wie klein der Kreis der Beliehenen tatsächlich war.

Vergleich der höchsten Tapferkeitsauszeichnungen für Mannschaftsdienstgrade (1914–1918)

Staat / Bundesstaat Auszeichnung Rang für Mannschaften Verleihungen 1914–1918 (ca.)
Bayern Bayerische Tapferkeitsmedaille in Gold Höchste Stufe 998
Preußen Goldenes Militär-Verdienstkreuz (GMVK) Höchste Stufe ca. 1.760
Preußen Militär-Ehrenzeichen 1. Klasse (MEZ I) Höchste Stufe ca. 8.000
Sachsen Militär-St.-Heinrichs-Medaille in Gold Höchste Stufe ca. 3.700–3.800
Württemberg Militär-Verdienstmedaille in Gold Höchste Stufe ca. 1.700–1.800
Baden Kriegsverdienstmedaille in Gold Höchste Stufe ca. 2.000
Hessen-Darmstadt Tapferkeitsmedaille in Gold Höchste Stufe ca. 1.500–1.600
Braunschweig Ernst-August-Medaille in Gold (für Tapferkeit im Kriege) Höchste Stufe ca. 400–500
Mecklenburg-Schwerin / Mecklenburg-Strelitz Militär-Verdienstmedaille in Gold Höchste Stufe ca. 400–600

Einordnung

Mit 998 Verleihungen war die Goldene Bayerische Tapferkeitsmedaille deutlich seltener als viele vergleichbare Auszeichnungen in Preußen, Sachsen, Württemberg oder Baden.

Im Fall Paul Hacker macht dieser Vergleich die Bedeutung der Verleihung noch klarer. Er erhielt nicht nur eine bayerische Tapferkeitsauszeichnung, sondern eine der seltensten höchsten Ehrungen für Mannschaftsdienstgrade im Ersten Weltkrieg.

Autor und Quellen

Autor:
Thomas Huss – Sammler und Händler für militärhistorische Objekte

Dieser Beitrag beruht auf eigener Recherche, Dokumentation und der Auswertung von Primärquellen aus meinem Archiv. Dazu gehören unter anderem militärische Nachlässe, Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe sowie originale Orden, Ehrenzeichen, Uniformteile, Säbel und Dolche. Schwerpunkte sind die Bestimmung und Einordnung militärhistorischer Objekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, insbesondere aus Heer, Luftwaffe und Marine. Weitere Themen sind Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, das Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie die Geschichte der Kriegsmarine und der U-Bootfahrer.

Eigene Recherche und Dokumentation:
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Quellen und Literatur:

  • Quellenverzeichnis: Höchste Tapferkeitsauszeichnungen für Mannschaften (1914–1918)

    • Bayerisches Kriegsarchiv (Hrsg.): Bayerns Goldenes Ehrenbuch. Gewidmet den Inhabern der höchsten bayerischen Kriegsauszeichnungen aus dem Weltkriege 1914/1918. Verlag Joseph Hyronimus, München 1928.

    • **Franz, Dr. Franz:**Das Preußische Goldene Militär-Verdienst-Kreuz. Inhaber-Verzeichnis und Geschichte. Berlin 1935.

    • Ophaus, Franz Josef: Das Preußische Goldene Militär-Verdienst-Kreuz. Der Pour le Mérite des deutschen Unteroffiziers. Verlag Karl Siegismund, Berlin 1936.

    • Richter, Georg: Der königlich sächsische Militär-St. Heinrichs-Orden 1736–1918. Ein Ehrenblatt der Sächsischen Armee. Verlag der Wilhelm und Bertha von Baensch Stiftung, Dresden 1937.

    • Hessenthal, Waldemar von / Schreiber, Georg: Die tragbaren Ehrenzeichen des Deutschen Reiches. Verlag Uniformen-Markt Otto Dietrich, Berlin 1940.

    • Klietmann, Kurt-Gerhard: Ordenskunde. Beiträge zur Geschichte der Auszeichnungen. Die Ordens-Sammlung, Berlin 1958.

    • Volle, Henning: Die Orden und tragbaren Ehrenzeichen des Großherzogtums und der Republik Baden. Freiburg im Breisgau 1976.

    • Nimmergut, Jörg: Deutsche Orden und Ehrenzeichen bis 1945. Band 1–4. Zentralstelle für wissenschaftliche Ordenskunde, München 1997–2001.

    • Klein, Ulrich / Raff, Albert: Die Württembergischen Medaillen. Band 3: Orden und Ehrenzeichen. Stuttgart 2010.

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