Willi Harfemann und das Panzerschiff Admiral Graf Spee
Das Fotoalbum von Willi Harfemann wurde uns von einem Angehörigen mit dem Wunsch überlassen, es aufzuarbeiten und die Geschichte seines Großvaters in einem kurzen Blogbeitrag festzuhalten.
Auf den ersten Blick wirkt das Album unscheinbar. Es ist kein typisches Kriegsmarinealbum aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, sondern ein klassisches Fotoalbum der 1970er-Jahre – so, wie viele es aus den Schränken ihrer Eltern oder Großeltern kennen. Äußerlich schlicht und aus militärhistorischer Sicht zunächst wenig auffällig oder sogar uninteressant.
Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich sein eigentlicher Inhalt. Es handelt sich um eine über Jahrzehnte hinweg entstandene Sammlung persönlicher Erinnerungen, die den Lebensweg eines ehemaligen Besatzungsmitglieds weit über den eigentlichen Krieg hinaus dokumentiert. Das Album wurde nicht abgeschlossen, sondern immer wieder ergänzt und weitergeführt.
Willi Harfemann diente als Maschinen-Obergefreiter auf dem Panzerschiff Admiral Graf Spee. Nach der Seeschlacht vor dem Río de la Plata im Dezember 1939 lief das beschädigte Schiff Montevideo an. Der Kommandant Hans Langsdorff entschied sich am 17. Dezember 1939 für die Selbstversenkung des Schiffes, um weitere Verluste unter der Besatzung zu vermeiden. Kurz darauf nahm er sich in Buenos Aires das Leben. Mit dieser Entscheidung endete der Einsatz des Schiffes – für die Besatzung begann jedoch ein völlig neuer Lebensabschnitt.
Harfemann blieb – wie der Großteil der Besatzung – bis zum Ende des Krieges 1945 in Argentinien interniert. Ein Teil der ehemaligen Besatzungsangehörigen war im Raum La Plata untergebracht. Im Album befindet sich sein argentinischer Internierungsausweis sowie zahlreiche Fotografien aus dieser Zeit. Sie zeigen ein Leben fernab militärischer Strukturen. Der Krieg selbst tritt in den Hintergrund, sichtbar wird ein Alltag im Wartestand.
Eine Rückkehr nach Deutschland war erst ab 1946 möglich. Die meisten ehemaligen Besatzungsangehörigen kehrten zwischen 1946 und 1948 zurück; einige entschieden sich bewusst für ein dauerhaftes Leben in Südamerika. Auch diese Phase spiegelt sich im Album wider. Die enthaltenen Bilder bestehen aus Originalfotografien, späteren Reproduktionen sowie Farbaufnahmen aus der Nachkriegszeit. Alles ist sauber zusammengefügt; das Album wurde über Jahrzehnte hinweg liebevoll weitergeführt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Nachkriegstreffen ehemaliger Besatzungsangehöriger der Admiral Graf Spee. Die Fotografien zeigen Wiedersehen, Gespräche und gemeinsames Erinnern. Sie machen deutlich, wie stark die Männer durch ihre gemeinsamen Erlebnisse verbunden blieben und wie diese Erfahrungen über Jahre hinweg im Kreis der ehemaligen Kameraden verarbeitet wurden.
Was das Album von Willi Harfemann besonders macht, ist seine Einfachheit. Es dokumentiert seine Zeit als Soldat, Internierter und später als ehemaliges Besatzungsmitglied Stück für Stück – ohne große Worte, ohne erklärende Texte. Stattdessen sprechen die Bilder selbst: Fotografien, Zeitungsausschnitte und Programme von Besatzungstreffen.
Es ist kein typisches Kriegsmarinealbum, sondern ein persönliches Dokument zur Internierung, zum Übergang ins zivile Leben und zum langfristigen Zusammenhalt ehemaliger Besatzungsmitglieder.
Unscheinbar in seiner äußeren Form, aber inhaltlich dicht und über Jahrzehnte gewachsen.
Militaria-Ankauf
Wenn Sie Orden, Ehrenzeichen oder andere militärhistorische Antiquitäten verkaufen möchten, können Sie sich gerne unverbindlich an uns wenden. Wir garantieren eine seriöse Abwicklung, faire Preise und eine gesetzeskonforme Behandlung nach den geltenden Vorschriften (§ 86a StGB).
📩 Kontakt:
E-Mail: t.huss@german-historica.de
Telefon: 0173-2110274
0 Kommentare