Die preußische Lebensrettungsmedaille am Band – keine Auszeichnung für Tapferkeit im Kampf
Bis jetzt haben wir hier fast nur über militärische Leistungen, Orden und Auszeichnungen berichtet. Das ist naheliegend, weil sich ein großer Teil historischer Ehrenzeichen und Tapferkeitsauszeichnungen mit Krieg, Kampf und dem Verhalten vor dem Feind beschäftigt.
Mut und Tapferkeit zeigen sich aber nicht nur in Kriegszeiten. Jeden Tag gibt es Situationen, in denen es auf handlungsfähige Helfer ankommt. Ob im Straßenverkehr, am Wasser, bei einem Brand, nach einem Unfall oder in einer plötzlichen medizinischen Notlage – oft ist nicht entscheidend, ob jemand besonders ausgebildet ist oder als Fachmann gilt. Man muss nicht Feuerwehrmann, Sanitäter oder Bademeister sein. Entscheidend ist, wer den Mut hat, nicht nur zuzusehen, sondern zu handeln. Denn selbst unvollkommene Hilfe wiegt mehr als bloßes Zuschauen oder das würdelose Filmen fremden Unglücks.
Genau darin liegt der Kern von Lebensrettungsmedaillen. Sie standen nicht für Tapferkeit im Krieg, sondern für den Einsatz zur Rettung eines anderen Menschen. So war es auch bei der preußischen Lebensrettungsmedaille am Band. Sie wurde für Rettungstaten verliehen, bei denen der Retter die eigene Gesundheit oder sogar das eigene Leben aufs Spiel setzte.
Stiftung und Entwicklung
Die preußische Lebensrettungsmedaille am Band wurde am 1. Februar 1833 durch König Friedrich Wilhelm III. gestiftet. Sie ersetzte die ältere silberne Rettungsmedaille von 1802. Gedacht war sie für Rettungstaten unter erheblicher eigener Gefahr.
Im Lauf der Zeit änderte sich vor allem die Vorderseite mit dem Bildnis des jeweils regierenden preußischen Königs. Die Rückseite mit der Inschrift „Für Rettung aus Gefahr“ blieb im Wesentlichen gleich. Nach 1918 endete diese Form. 1925 führte der Freistaat Preußen eine neue Ausgabe mit dem preußischen Adler ein.
Wofür sie verliehen wurde
Die Medaille war keine militärische Tapferkeitsauszeichnung. Sie wurde nicht für Kampfhandlungen oder Leistungen vor dem Feind verliehen, sondern für die Rettung eines Menschen unter Gefahr für die eigene Gesundheit oder das eigene Leben.
Sie konnte an Zivilpersonen wie an Militärangehörige verliehen werden. Entscheidend war allein die Rettungstat.
Technische Daten
Material: Silber, je nach Herstellungszeit meist 900er oder 938er Silber
Durchmesser: etwa 25 bis 26 mm
Gewicht: etwa 9 bis 11 Gramm einschließlich Öse
Vorderseite: Bildnis des jeweiligen preußischen Königs
Rückseite: „Für Rettung aus Gefahr“ in einem gebundenen Eichenlaubkranz
Band: Orange mit weißen Seitenstreifen
Trageweise: An der linken Brustseite, einzeln oder in der Ordensspange
Verleihungsbeispiele
An konkreten Fällen wird der Charakter dieser Auszeichnung deutlich. Verliehen wurde sie nicht für militärische Leistungen, sondern für Rettungstaten unter eigener Gefahr.
August Herrmann, Rahnsdorf
Der Fischer August Herrmann rettete auf dem Müggelsee wiederholt Menschen aus Seenot. Dafür erhielt er am 11. Dezember 1894 die preußische Rettungsmedaille mit dem Bande. Geehrt wurde nicht Kriegsdienst, sondern der unmittelbare Einsatz zur Rettung anderer Menschen.
Albert Wuttig, Fürstenwalde
Im Deutschen Reichsanzeiger vom 2. Juni 1903 wird der Konditor Albert Wuttig aus Fürstenwalde im Kreis Lebus als Empfänger der Rettungsmedaille am Bande genannt. Der Fall zeigt, dass die Auszeichnung nicht an Rang, Herkunft oder Beruf gebunden war.
Ernst Jörß und Louis Reincke
Eine weitere amtliche Bekanntmachung vom 1. September 1905 nennt den Apothekenbesitzer Ernst Jörß in Dom-Brandenburg und den Steueraufseher Louis Reincke in Königsberg i. Pr. als Träger der Rettungsmedaille am Bande. Auch hier ging es nicht um soldatische Tapferkeit, sondern um den Einsatz für das Leben anderer.
Diese Beispiele zeigen den Kern der Auszeichnung. Es waren keine besonders geschulten Helfer und keine Spezialisten, sondern ganz einfache Menschen.
Sie taten, was in diesem Augenblick nötig war, griffen ein und retteten dabei Leben.
Autor und Quellen
Autor:
Thomas Huss – Sammler und Händler für militärhistorische Objekte
Dieser Beitrag beruht auf eigener Recherche, Dokumentation und der Auswertung von Primärquellen aus meinem Archiv. Dazu gehören unter anderem militärische Nachlässe, Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe sowie originale Orden, Ehrenzeichen, Uniformteile, Säbel und Dolche. Schwerpunkte sind die Bestimmung und Einordnung militärhistorischer Objekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, insbesondere aus Heer, Luftwaffe und Marine. Weitere Themen sind Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, das Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie die Geschichte der Kriegsmarine und der U-Bootfahrer.
Eigene Recherche und Dokumentation:
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Quellen und Literatur:
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Maerz, Dietrich: Das Eiserne Kreuz 1. Klasse von 1939.
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Weber, Sascha: Das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
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Wernitz, Frank: Das Eiserne Kreuz 1813 – 1870 – 1914 – 1939.
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