Doppelhersteller bei SA-Dolchen – RZM und Eickhorn auf einer Klinge
Unter Sammlern stoßen SA-Dienstdolche mit zwei Herstellerkennzeichnungen immer wieder auf besondere Aufmerksamkeit. Gemeint sind Stücke, bei denen sowohl die Markierung der Reichszeugmeisterei (RZM) als auch der Name eines bekannten Solinger Herstellers – etwa Eickhorn – auf derselben Klinge erscheint. Diese sogenannten Doppelhersteller sind kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis der organisatorischen und wirtschaftlichen Umstellung in der Mitte der 1930er-Jahre.
Hintergrund: Einführung der RZM-Kennzeichnung
Mit der zunehmenden Zentralisierung der Parteiorganisation wurde die RZM ab 1934/35 als Kontrollinstanz für Herstellung, Qualität und Vertrieb parteiamtlicher Ausrüstungsgegenstände eingesetzt. Für die Produzenten bedeutete dies, dass ihre Erzeugnisse nicht mehr ausschließlich unter eigenem Namen vertrieben werden konnten, sondern eine Lizenzierung und Kennzeichnung über die RZM erforderlich wurde.
Die RZM-Nummern (z. B. M7/xx für Blankwaffenhersteller) dienten der eindeutigen Zuordnung zum jeweiligen Produzenten. Gleichzeitig existierten die bekannten Markennamen weiter, da sie im Handel und bei Käufern einen hohen Wiedererkennungswert hatten.
Warum zwei Markierungen?
In der Übergangsphase zwischen freiem Herstellervertrieb und vollständiger RZM-Regulierung kam es zu Klingen, die sowohl die RZM-Kennzeichnung als auch den Namen des ursprünglichen Produzenten trugen. Bei Eickhorn lässt sich dieses Phänomen besonders gut beobachten.
Diese Doppelmarkierungen entstanden unter anderem durch:
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Aufbrauch vorhandener Klingenrohlinge mit bereits aufgebrachtem Herstellerlogo
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Übergangsregelungen, bei denen der Markenname weiterhin verwendet wurde
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parallele Kennzeichnung zur Erfüllung behördlicher Vorgaben bei gleichzeitiger Markenerkennung
Es handelt sich nicht um nachträgliche Veränderungen, sondern um zeittypische Fertigungserzeugnisse einer administrativen Umstellung.
Einordnung in die Produktionsperiode
Doppelhersteller-Stücke lassen sich in der Regel der mittleren Produktionsperiode der SA-Dolche zuordnen. Technische Merkmale wie:
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lackierte Scheiden
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vernickelte Stahlblechbeschläge und Schrauben
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Parierstangen und Griffadler seltener aus Neusilber
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meist aber Aluminium und vernickeltem Zink
entsprechen dieser Phase. Materialwahlmix und Verarbeitung spiegeln die fortschreitende Standardisierung wider, ohne dass die industrielle Serienfertigung bereits alle handwerklichen Strukturen verdrängt hätte.
Seltenheit und Sammlerrelevanz
SA-Dolche mit der Kombination RZM + Eickhorn sind seltener als Stücke mit nur einer Kennzeichnung. Ihre Bedeutung liegt weniger in einer vermeintlichen Sonderausführung als in ihrer dokumentarischen Aussage: Sie zeigen konkret, wie sich politische Steuerung, Industrie und Markenidentität in der Praxis überlappten. Für die historische Einordnung sind solche Stücke deshalb besonders aufschlussreich. Sie stehen nicht für ein Ausnahmemodell, sondern für eine klar datierbare Übergangsphase in der Organisation der Parteiausrüstungsproduktion
Quelle:
Thomas Huss – German Historica
https://german-historica.de/sa-dienstdolch-doppelhersteller-eickhorn/
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