Meissen-Teller des Traditionsverbandes U-Boote – aus meinem Blickwinkel gesehen
Wieder ein Stück, das seinen Weg in unsere Hände gefunden hat und uns einen Beitrag wert erschien. Ein Gegenstand der Zeitgeschichte, der schon immer viele Fragen, Legenden und Vermutungen in sich trug – und bei dem wir hoffen, durch unseren Blogbeitrag etwas Licht ins Dunkel bringen zu können.
Der hier behandelte Meissen-Teller stammt aus dem Besitz der Familie des U-Boot-Kommandanten Hans Jenisch und wurde von seinem Sohn an uns veräußert.
Hans Jenisch – Kurzbiografie
Hans Jenisch war Offizier der Kriegsmarine und Kommandant von U 32 (Typ VII A). Für seine Einsätze erhielt er am 7. Oktober 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.
Nach dem Verlust von U 32 am 30. Oktober 1940 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft und wurde 1947 entlassen. In der Nachkriegszeit diente er in der Bundesmarine und schied 1972 im Dienstgrad Kapitän zur See aus dem aktiven Dienst aus.
Er verstarb 1982 in Kronshagen.
Die Meissen-Teller des Traditionsverbandes U-Boote
Die Meissen-Teller dieser Art wurden im Auftrag des Traditionsverbandes U-Boote gefertigt und waren für Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe bestimmt. Die Übergabe erfolgte teils noch während des Krieges an die Ausgezeichneten, teils – etwa bei gefallenen oder vermissten Männern – an deren Familien.
Es handelt sich um personalisierte Einzelstücke, die jeweils einem konkreten Träger zugeordnet werden können. Einige dieser Teller befinden sich bis heute im Familienbesitz. Sie hängen an Wänden, oft in einer Ecke, oder stehen in Schränken, meist unbeachtet. Über viele Jahrzehnte waren diese Teller durch ihre Seltenheit fast unbekannt, ebenso ihre Entstehungsgeschichte. Entsprechend wurde in Sammlerkreisen lange darüber diskutiert, ob es sich um zeitgenössische Stücke handelt oder um spätere Nachfertigungen oder Fälschungen.
Übergaben in der Nachkriegszeit
Aus eigener Erfahrung und aus mir bekannten Ereignissen kann ich gesichert sagen, dass diese Teller zeitgenössisch gefertigt wurden, im Auftrag des Traditionsverbandes U-Boote, und an die Ritterkreuzträger ausgegeben werden sollten. Übergaben und Nachreichungen erfolgten dabei auch noch in der Nachkriegszeit.
In diesem Zusammenhang ist mir bekannt, dass solche Übergaben unter anderem durch ehemalige Marineoffiziere wie Eberhard Godt vorgenommen wurden. Godt, der im Krieg Chef der Operationsabteilung der U-Boote war und nach dem Krieg in Kiel lebte, übergab nachweislich mehrere solcher Teller, unter anderem an seinen Nachbarn. Dessen Bruder war ebenfalls Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe, in diesem Fall Siegfried Freiherr von Forstner.
Einordnung des vorliegenden Tellers
Bei den Meissen-Tellern handelt es sich nicht um offizielle Auszeichnungen oder Geschenke der Kriegsmarine, sondern um ein Anerkennungsgeschenk eines Vereins, nämlich des Traditionsverbandes U-Boote. Es sind persönliche Erinnerungsstücke.
Autor / Quelle
Thomas Huss
German Historica
E-Mail: t.huss@german-historica.de
Web: https://german-historica.de
Der Beitrag beruht auf eigener langjähriger Beschäftigung mit dem Thema, persönlicher Kenntnis, dokumentierten Übergabefällen sowie dem direkten Erwerb des hier vorgestellten Meissen-Tellers aus Familienbesitz.
Zur biografischen Einordnung und zum Abgleich von Verleihungsdaten wurde ergänzend herangezogen:
– Die Ritterkreuzträger der U-Boot-Waffe, Manfred Dörr
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