Schicksalsbegegnung über Kiel-Ottendorf
Der Abschuss der „Coffey’s Pot“
Dieses Fotoalbum der Marine-Flakabteilung 251 dokumentiert ein konkretes Ereignis des Luftkriegs über Kiel. Am 6. Juni 1944, während sich der militärische Fokus weltweit auf die alliierte Landung in der Normandie richtete, kam es im Bereich der Batterie Ottendorf zu einem Abschuss, bei dem sich die Lebenswege eines amerikanischen Piloten und zweier deutscher Marinehelfer kreuzten.
Der Pilot: Robert J. Coffey
Die auf den Aufnahmen gezeigte brennende P-47D Thunderbolt konnte eindeutig als „Coffey’s Pot“ (Seriennummer 42-26407) identifiziert werden.
Coffey flog an diesem Tag Begleitschutz für alliierte Bomberverbände, die die Kieler Werften angriffen. Im dichten Abwehrfeuer der Marine-Flak wurde seine Maschine schwer beschädigt. Trotz brennendem Motor gelang ihm eine Notlandung unmittelbar im Bereich der Batterie Ottendorf.
Der Abschuss wurde der dort eingesetzten Besatzung offiziell zuerkannt.
Unmittelbar nach der Landung geriet Coffey in deutsche Gefangenschaft. Er überlebte den Krieg, kehrte nach Texas zurück und verstarb 1993.
Die Besatzung: Laux und Meier
Ein besonders aufschlussreiches Foto des Albums zeigt die namentlich benannte Besatzung der Batterie: Oblt. Dolezick gemeinsam mit den Marinehelfern M.H. Laux und M.H. Meier.
Auffällig – und in seiner Aussage kaum zu relativieren – ist das Alter der beiden Helfer. Laux und Meier waren zum Zeitpunkt des Abschusses etwa 13 bis 14 Jahre alt. Dass Kinder in diesem Alter an schweren Flakstellungen eingesetzt wurden, verweist deutlich auf die personelle Auszehrung und die Realität der letzten Kriegsphase.
Für ihre Beteiligung am Abschuss der „Coffey’s Pot“ erhielten beide das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern, was für Flakhelfer dieses Alters bereits außergewöhnlich war. Auf dem Foto ist die Auszeichnung gut sichtbar an den dunklen Marine-Überziehern befestigt – ein seltener und zugleich verstörender Beleg dafür, wie gezielt die Aussicht auf Auszeichnungen und Orden selbst minderjährige Marine-Helfer zu solch gefährlichen Einsätzen verführte
Quellen / Recherchebasis
- Quelle: Privatsammlung Thomas Huss, german-historica, Felde.
- Privates Fotoalbum der Marine-Flakabteilung 251 (Batterie Ottendorf, 1944–1945);
USAAF-Verlust- und Seriennummernunterlagen zur P-47D „Coffey’s Pot“ (42-26407);
American Air Museum, Duxford;
National Archives (NARA), USA;
Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg (Marine-Flak, Marinehelfer).
Autor & Expertise: Dipl.-Ing. Thomas Huss
Dieser Fachbeitrag basiert auf eigener militärhistorischer Forschung sowie der Auswertung von Primärquellen (Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe) aus meinem Archiv.
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Arbeitsschwerpunkt: Fachgerechte Bestimmung von Orden und Ehrenzeichen aller Waffengattungen (Heer, Luftwaffe, Marine) und Epochen (insbes. 1. & 2. Weltkrieg).
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Spezialisierung: Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie deren Trägergeschichte.
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