Seltener Urkunden-Nachlass eines Oberleutnants der 2./gem. Flak-Abt. 537 (v):
Operation Grenade, Panzerabwehr bei Neuss, Verwundung und Auszeichnungen im Ruhrkessel 1945
Mit diesem Nachlass möchten wir eine seltene Auszeichnungs- und Dokumentengruppe aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs vorstellen.
Sie stammt von einem Oberleutnant der 2./gemischten Flakabteilung 537 (v) und umfasst zwölf Dokumente sowie mehrere Soldbuchseiten mit Eintragungen.
Die Verleihungsdokumente stehen im Zusammenhang mit den Kämpfen bei Neuss während der Operation Grenade und dem späteren Weg der Einheit in den Ruhrkessel. Besonders beachtenswert ist der 1. März 1945. An diesem Tag wurde die Einheit in schwere Kämpfe mit US-Panzerverbänden verwickelt. Während dieser Kämpfe wurde der Offizier verwundet; das Verwundetenabzeichen trägt entsprechend das Datum 01.03.1945.
Daraus ergibt sich ein klarer Zusammenhang zwischen diesen Kämpfen und den späteren Auszeichnungen.
Am 13. April 1945 wurden drei weitere Verleihungen beurkundet: das Flakkampfabzeichen, das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Eiserne Kreuz 1. Klasse.
Der Dokumenten-Nachlass im Überblick
Der Nachlass umfasst frühe RAD Dienst- und Auszeichnungsunterlagen, Verwundetenabzeichen, Kampfabzeichen, Soldbuchseiten sowie die drei Urkunden vom 13. April 1945. Besonders wichtig sind das Verwundetenabzeichen in Silber vom 1. März 1945, der Soldbucheintrag zum Erdkampfabzeichen vom 15. März 1945 und die drei am 13. April 1945 beurkundeten Auszeichnungen: Flakkampfabzeichen, Eisernes Kreuz 2. Klasse und Eisernes Kreuz 1. Klasse.
| Auszeichnung / Dokument | Datum | Nachweis / Hinweis |
|---|---|---|
| RAD-Urkunde | ohne Datum genannt | frühe Dienst-/Auszeichnungsurkunde |
| Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 | ohne Datum genannt | sogenannte Oktober-Medaille |
| Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse | ohne Datum genannt | Urkunde vorhanden |
| Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse | ohne Datum genannt | Urkunde vorhanden |
| Verwundetenabzeichen in Schwarz | ohne Datum genannt | Urkunde vorhanden |
| Verwundetenabzeichen in Silber | 01.03.1945 | Verwundung während der Kämpfe im Raum Neuss/Düsseldorf |
| Erdkampfabzeichen | 15.03.1945 | ohne Urkunde, Eintrag auf Soldbuchseite |
| Flakkampfabzeichen | 13.04.1945 | Urkunde vorhanden, Unterschrift Heino von Rantzau |
| Eisernes Kreuz 2. Klasse | 13.04.1945 | Urkunde vorhanden, Unterschrift Heino von Rantzau |
| Eisernes Kreuz 1. Klasse | 13.04.1945 | Urkunde vorhanden, Unterschrift Heino von Rantzau |
| D2-Schein | ohne Datum genannt | Dokument im Nachlass |
| Soldbuchseiten | verschiedene Einträge | ergänzende Nachweise |
Einsatz der 2./gem. Flak-Abt. 537 (v) bei Neuss
Die gemischte Flakabteilung 537 (v) operierte im Frühjahr 1945 im Bereich der 4. Flak-Division Düsseldorf. Die 2. Batterie lag im Raum Neuss/Düsseldorf und wurde am 1. März 1945 direkt in die Abwehrkämpfe gegen die 9. US-Armee während der Operation Grenade eingebunden.
Mit dem amerikanischen Vormarsch änderte sich der Einsatz der Batterie grundlegend. Die 8,8-cm-Geschütze wurden nun nicht mehr nur zur Luftabwehr eingesetzt, sondern als Panzerabwehrwaffen im direkten Erdkampf. Die Batterie sicherte wichtige Zufahrtsstraßen und die strategisch bedeutenden Rheinbrücken.
Flakbesatzungen im Erdkampf 1945
Die Flakbesatzungen bestanden 1945 nur noch aus sehr jungen Soldaten, Angehörigen der Hitlerjugend, älteren Jahrgängen oder nur eingeschränkt verwendungsfähigen Männern.
Auch Frauen waren als Luftwaffenhelferinnen im Flakdienst eingesetzt.
Viele dieser Menschen waren nicht für den Kampf gegen Panzer am Boden ausgebildet bzw geeignet. Ihre ursprüngliche Aufgabe war die Abwehr von Flugzeugen bzw grossen Bomberverbänden , die meist in grossen Höhen flogen,
Trotzdem wurden Flakeinheiten in den letzten Kriegswochen an vielen Frontabschnitten immer häufiger in den Erdkampf gezwungen.
Während die Propaganda weiter vom Durchhalten, von Wunderwaffen und vom sogenannten „Endsieg“ sprach, sah die Wirklichkeit ganz anders aus:
Die deutschen Einheiten waren erschöpft, kriegsmüde und vielfach schlecht ausgerüstet, während ihnen gut ausgerüstete US-Truppen gegenüberstanden.
Am 1. März 1945 traf diese Lage auch die 2./gemischte Flakabteilung 537 (v).
Bei Neuss mussten ihre 8,8-cm-Geschütze im direkten Kampf gegen US-Panzerverbände eingesetzt werden. Die Stellungen waren oft nur unzureichend und einfach angelegt und boten nur begrenzten Schutz gegen Panzer- und Artilleriebeschuss.
Operation Grenade und die Panzerkämpfe am 1. März 1945
Am 1. März 1945 erreichten US-Panzerspitzen der 2. Panzerdivision und der 83. Infanteriedivision das Stadtgebiet von Neuss. In diesem Abschnitt kam es zu schweren Gefechten.
Die deutschen 8,8-cm-Geschütze erzielten dabei nach den vorliegenden Angaben erhebliche Wirkung gegen amerikanische Panzerfahrzeuge. Für den Raum Schiefbahn/Neuss wird der Verlust von 22 gepanzerten Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden genannt. Die Gesamtverluste der 9. US-Armee während der Operation Grenade werden mit 152 Panzern angegeben.
Auf deutscher Seite führten Artillerie- und Panzerbeschuss auf die vielfach ungeschützten Flak- beziehungsweise Panzerabwehrstellungen zu hohen Ausfällen. In diesen Zusammenhang gehört die Verwundung vom 1. März 1945, die im Nachlass durch das Verwundetenabzeichen in Silber belegt ist.
Rückzug über den Rhein und Ruhrkessel
Nach der Sprengung der Rheinbrücken am 2. März 1945 verblieben Reste der Einheit auf der rechten Rheinseite. Im April 1945 wurden sie im Ruhrkessel eingeschlossen.
Die Führung der verbliebenen Teile der 4. und 2. Flak-Division übernahm Generalleutnant Heino von Rantzau.
Die Verleihungen vom 13. April 1945
Am 13. April 1945 wurden das Flakkampfabzeichen, das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Diese drei Urkunden gehören zu den wichtigsten Stücken des Nachlasses.
Die Verleihungen vom 13. April 1945 stehen im Zusammenhang mit den Leistungen bei der Panzerbekämpfung am 1. März 1945. An diesem Tag wurden die 8,8-cm-Geschütze der 2./gem. Flak-Abt. 537 (v) im Raum Neuss/Düsseldorf im direkten Erdkampf gegen die 9. US-Armee eingesetzt. In dieselbe Gefechtslage gehört auch die Verwundung vom 1. März 1945, die im Nachlass durch die Urkunde über das Verwundetenabzeichen in Silber belegt ist.
Die gemeinsame Datierung von Flakkampfabzeichen, Eisernem Kreuz 2. Klasse und Eisernem Kreuz 1. Klasse auf den 13. April 1945 macht die Gruppe besonders selten. Entscheidend ist dabei der Zusammenhang:
Die Urkunden verweisen auf die Kampfleistungen vom 1. März 1945, während die Beurkundung im Ruhrkessel am 13. April 1945 erfolgte.
Die Urkunden tragen die Unterschrift Heino von Rantzaus in seiner Funktion als Kommandeur der 2. Flak-Division beziehungsweise im Bereich des Flak-Korps z.b.V.
Ende der Kampfhandlungen
Am 16. April 1945 endeten die Kampfhandlungen für die Batterie mit dem Eintritt in US-Gefangenschaft. Damit liegen zwischen den drei Auszeichnungen vom 13. April und dem Ende des Einsatzes nur wenige Tage.
Dieser enge zeitliche Zusammenhang macht den Nachlass bemerkenswert.
Er dokumentiert den Einsatz einer Flakbatterie im Erdkampf, die Verwundung am 1. März 1945, die späteren Auszeichnungen und das Ende im Ruhrkessel.
Historische Einordnung
Der Nachlass ist selten, weil er mehrere wichtige Punkte geschlossen dokumentiert: eine konkrete Einheit, einen klaren Einsatzraum, den Erdkampf mit 8,8-cm-Geschützen, die Verwundung am 1. März 1945 und drei Auszeichnungen vom 13. April 1945.
Er gehört damit nicht zu den üblichen losen Urkundengruppen, sondern zu einem nachvollziehbaren Endkampf-Nachlass aus der Schlussphase des Krieges im Westen.
Militaria-Ankauf
Wenn Sie mehr über einen militärhistorischen Nachlass, einzelne Orden, Ehrenzeichen oder militärische Dokumente erfahren möchten, können Sie sich gerne an mich wenden. Auch wenn Sie solche Stücke aus einem Nachlass abgeben oder verkaufen möchten, biete ich Ihnen eine sachliche und verantwortungsvolle Einschätzung.
Ich bewerte hochwertige Einzelstücke und komplette Nachlässe auf Grundlage historischer Einordnung, fachlicher Kenntnis und aktueller Marktlage. Dazu zählen unter anderem Orden, Ehrenzeichen, Urkunden, militärische Dokumente, Fotos und weitere militärhistorische Objekte.
Persönliche Beratung ist in Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster, Rendsburg, Heide, Itzehoe und in ganz Schleswig-Holstein möglich. Auch bundesweite Anfragen sind willkommen. Die Bearbeitung erfolgt diskret und unter Beachtung der geltenden Vorschriften, insbesondere der §§ 86 und 86a StGB.
Kontakt / Fachportale / Rechercheprojekte:
https://german-historica.de/ – Fachhandel für militärhistorische Objekte
https://militaria-kiel.de/ – regionaler Ankauf und Beiträge aus Schleswig-Holstein
https://ankaufmilitaria.de/ – Fachbeiträge zur Bestimmung und Einordnung von Militaria
E-Mail:
t.huss@german-historica.de
Tel. / WhatsApp:
+49 (0)173 2110274
📧 E-Mail: t.huss@german-historica.de | 📞 Tel: +49 (0)173 2110274
Autor und Quellen
Autor:
Thomas Huss – Sammler und Händler für militärhistorische Objekte
Dieser Beitrag beruht auf eigener Recherche, Dokumentation und der Auswertung von Primärquellen aus meinem Archiv. Dazu gehören unter anderem militärische Nachlässe, Soldbücher, Urkunden, Fotonachlässe sowie originale Orden, Ehrenzeichen, Uniformteile, Säbel und Dolche. Schwerpunkte sind die Bestimmung und Einordnung militärhistorischer Objekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs, insbesondere aus Heer, Luftwaffe und Marine. Weitere Themen sind Tapferkeitsauszeichnungen wie das Eiserne Kreuz, das Ritterkreuz und der Pour le Mérite sowie die Geschichte der Kriegsmarine und der U-Bootfahrer.
Eigene Recherche und Dokumentation:
https://militaria-kiel.de/
https://german-historica.de/
https://ankaufmilitaria.de/
Quellen und Einordnung
Die Einordnung des Nachlasses stützt sich auf die vorliegenden Urkunden, Soldbuchseiten und Eintragungen des Oberleutnants der 2./gemischten Flakabteilung 537 (v). Für den militärischen Rahmen wurden zeitgenössische Einsatzdaten und die bekannte Operationsgeschichte der Endkämpfe am Niederrhein und im Ruhrgebiet herangezogen.
Als historische Vergleichs- und Hintergrundquellen dienen insbesondere:
Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945, Band 11.
Karl-Heinz Hummel: Die deutsche Flakartillerie 1935–1945.
Charles B. MacDonald: The Last Offensive, United States Army in World War II.
Unterlagen und Darstellungen zur Operation Grenade der 9. US-Armee, Februar/März 1945.
Kriegstagebuch- und Divisionsunterlagen zur 2. und 4. Flak-Division, soweit für den Einsatzraum Düsseldorf/Neuss und den Ruhrkessel heranziehbar.
Die Angaben zu Verwundung, Auszeichnungen und Datierungen ergeben sich aus dem vorliegenden Dokumenten-Nachlass selbst. Die militärische Einordnung erfolgt anhand der bekannten Lageentwicklung im Raum Neuss/Düsseldorf während der Operation Grenade und des späteren Einschlusses im Ruhrkessel.